Meine Zeit bei der Marine

        

Von Sylt über Wilhelmshaven nach Kiel

Moin, moin!

Zunächst einmal möchte ich mich kurz vorstellen:

Mein Name ist Jerry Kuschny, bin am 29.05.1972 

in Überlingen am Bodensee geboren, 

und im Juli 1993 trat ich eine folgenschwere große Reise 

quer durch die Republik an. 

            

Da die modernen ICE-Züge zwar schon existierten, 

aber die Reisekosten noch nicht von der Bundeswehr 

gezahlt wurden, setzte ich mich am Vortag meines 

Dienstantrittstages in Überlingen 

um 18:00 in den Zug, um am nächsten Morgen völlig 

gerädert um 08:47 in Westerland anzukommen.

Ich wurde dort von Maat(w) Imke Seidel, 

OMt(w) Lotti Gruber (später Bleiber)

 und OBtsm Dierk Borchert in Empfang genommen 

und in den entsprechenden oliven Bus geschleust, 

der vor dem Bahnhof wartete. 

Als ich das erste Mal an den Sanddünen vorbeifuhr, 

fühlte ich mich wie auf den Mond versetzt. 

Daß dies nicht so war, sagte mir die Gewißheit, 

daß das Unternehmen Kuzunft (DB) 

keine Reisen auf den Mond anbot. 

Als sich hinter mir der Schlagbaum 

der Marineversorgungsschule List (MVS) senkte, 

begann ein völlig neuer Lebensabschnitt.

oben: meine Koje / mein Bock

mein erster korrekt gebauter Spind

Es gab nur wenige Highlights in diesen 3 Monaten... Außer:

Ich hatte die Ehre, bei meiner Vereidigung das Gelöbnis an der 

Truppenfahne sprechen zu dürfen, 

und ich flog mit meinen Kameraden 

des Seemannschores der MVS als 

Solist auf Konzertreise nach Kanada.

Bergeübung in der Grundausbildung

linke Truppenfahne, 1.Mann auf der rechten Seite. Linke Körperhälfte sichtbar

Der Chor der Marineversorgungsschule vor dem Abflug nach Kanada

Der Seemannschor der MVS an den Niagarafällen

auf dem Aussichts-Tower bei den Niagara Fällen

die kanadischen Fälle

Konzert in Hamilton bei Toronto

In der Zeit, in der ich dem Chor der MVS angehörte, entwickelten 

sich unbezahlbare Freundschaften, die noch heute bestehen.

Bestes Beispiel dafür ist Christoph "Kiko" Davids, 

der sogar 12 Jahre später als mein Trauzeuge fungierte.

Nach der Grundausbildung hatte sich mein Zugführer 

schon gefreut, mir ein super Kommando verkünden zu können: 

Ich sollte ins Bundeswehrkrankenhaus nach Ulm... 

Ganz klasse! 

Und dafür geht man zur Marine? Ich nicht!

Es begann ein Spießrutenlauf von Spieß 7.MVS zu 

Spieß Marine SanStaffel List (direkt gegenüber).

Irgendwann hatte die SDM ein Einsehen und buchte mich 

auf die Dokumentationsstelle bei OMt Andreas Dörr um

Lange sollte dieses Glück aber nicht bestehen, 

denn sowohl Andreas, als auch ich wurden nach Westerland 

in die SanStaffel der Marinefliegerlehrgruppe versetzt.

Von dort aus erlöste mich ein Oberbootsmann, 

der dort als irgendein Spieß fungierte. 

Er stellte mich vor die Wahl, welches Bordkommando 

ich denn nun gerne haben wolle:

1. Versorger NIENBURG (fuhr damals in den Somalia-Einsatz)

2. GORCH FOCK (fährt ja bekanntlich überall hin)

3. Fregatte BREMEN (fuhr damals eine Südamerika DesEx)

Da erschien mir die BREMEN doch am gemütlichsten 

und in die Karibik wollte ich schon immer mal. 

Mein Leben als Bord-Sani hatte begonnen.

Mein Äquatortaufschein

Um nun meinen weiteren Werdegang nicht 

endlos in die Länge zu ziehen, 

liste ich nun nur noch die weiteren Kommandos 

und evtl. Highlights auf.

Der Behandlungsraum vor seiner Umrüstung 1995

Das alte Röntgengerät und Blick in den Schreibraum 

Der alte Feld OP-Tisch mit OP-Leuchte und Narkose-Kreisteil. 

Daneben verpackt der Defibrillator Hellige SCP844

Beim Blutdruckmessen auf der Krankenstation mit 4 Kojen

Bei der Behandlung mit einem meiner Schiffsärzte. Hier StArzt G. Licht

Die Medikamentenlast auf Fregatten der Klasse 122

Bei einer Mann-über-Bord-Übung im Kutter

Nach meiner Stehzeit auf der BREMEN, auf der ich meine 

Dienstzeit vom Wehrpflichtigen (W12) auf 2 Jahre 

verlängert hatte, ließ mir die SDM die Wahl, 

ob ich mich auf SaZ 6 weiter verpflichten, 

oder entlassen werden wolle.

Die Weiterverpflichtung hatte nur einen Haken:  

Ich mußte Maat werden... 

  

Der Maaten Lehrgang III / 95

Am 01.07.1995 begann mein fachlicher Teil an der 4.MVS. 

Dort wurde ich zum Rettungssanitäter ausgebildet.

Am 01.10.1995 begann der zweite San-Teil 

der Militärfachlichen Ausbildung. 

Ebenfalls an der 4.MVS.

Von dort aus wurde ich an die 

5.MUS nach Plön versetzt.

  

Die 5.Inspektion der MUS   I /96

Hörsaal 51 I/96

Nach dem Vorgesetzten-Training (VT)

Nach bestandenem Lehrgang konnte ich mich erfolgreich 

dagegen wehren, als Ausbilder an die MVS 

zurückversetzt zu werden. 

Stattdessen ging's zur Marine SanStaffel 

nach Wilhelmshaven. 

Dort sollte ich vorübergehend aufgehängt werden, 

um noch den Taucherarztgehilfenlehrgang in Neustadt 

zu absolvieren.

Vor dem ersten Freiwasser Tauchgang

Es geht los

Geschafft!... aber das Ostseewasser war saukalt im April!

Nun hatte ich vorerst alles, was ein SanMaat 

auf einer Fregatte braucht. 

Es dauerte nicht lang, da flatterte meine Versetzung 

auf die Fregatte EMDEN ins Haus.

Aber ein Lehrgang allein reichte nicht aus.

Während der Werftliegezeit 1997 wurde ich 

an die Sanitätsakademie nach München

kommandiert, wo ich den theoretischen Teil des 

OP-Instrumenteur-Lehrgangs hinter mich brachte.

Sämtliche Teilstreitkräfte vereint. Der OP-Lehrgang II/97

Von dort aus ging es für den praktischen Teil  des Lehrgangs 

in die OP-Gruppe des Bundeswehrkrankenhauses (BWK) in Ulm.

Zurück an der Küste, hatte die EMDEN bereits in der 

Werft Bremer Vulkan eingedockt. Sie sollte eines der 

letzten Schiffe sein, die dort in die Werft gingen. 

Nervig waren nur die Wachen als Maat der Wache (MdW). 

So kam man währenddessen öfter mal auf blöde Fotosession-Ideen...

WAHRSCHAU!! Fotografierverbot...

An mir und meiner roten Wach-Hütte kam so schnell keiner vorbei...

in der Docksohle unter dem Schiff

eine von zwei Schrauben

 

Nach einer zweijährigen Stehzeit auf der EMDEN 

(ich hatte mich mittlerweile von SaZ6 

auf SaZ8 weiter verpflichtet), 

wurde ich schon wieder nach Sylt versetzt. 

Eine anstehende Weltreise mit der EMDEN 

hatte ich sausen lassen, in der Hoffnung, 

irgendwann mal als PUO dafür entschädigt zu werden.

(Die Weltreise wurde kurz nach meinem Weggang von Bord 

wegen zu hoher Kosten abgesagt... Glück gehabt!)

Von Juli bis Dezember dauerte der fachliche 

Teil meines Bootsmann Lehrgangs. Zunächst noch 

an der 4.MVS in List, dann in Westerland in der 

ausgelagerten 6.Inspektion.

Der Bootsmann Lehrgang III / 98

Von Januar bis April besuchte ich das letzte Mal die MUS in Plön. 

Ich war extrem überrascht, daß man uns in der 2./MUS behandelte, 

wie Erwachsene. Alle negativen Erwartungen, die man von der 

Maaten-MUS mitgebracht hatte, waren über den Haufen geworfen. 

Es war ein rundum angenehmer Lehrgang, was nicht zuletzt 

der Verdienst meines Hörsaalleiters OLtzS Olli Schwab war.

Die 2.Inspektion der MUS   I /99

Hörsaal 24 I/99

Die Trümmertruppe beim Bootsmann VT

Nach bestandenem Bootsmann Lehrgang nahm ich das 

kleinere Übel bzgl. des drohenden Kommandos an.

Statt in das Sanitätsamt  der Bundeswehr nach Bonn, verschlug es mich 

ins SanZentrum Bremerhaven. Dort war ich als SanMat PUO eingesetzt. 

Was ein Scheiß-Job! Man kann im nachhinein schon fast 

von einer Erlösung sprechen, als mich mein Staffel-Chef 

FltlArzt Burger für einen Kosovo bzw. KFOR-Einsatz meldete. 

So kam ich nach einigen Vorbereitungslehrgängen in 

Sanderbusch, Weißenfels und Putlos endlich raus aus dem Loch. 

 

                          

Wir flogen am 05.11.1999 von Köln Wahn nach Skopje in Mazedonien. 

Von dort aus ging's mit dem Bus nach Tetovo, wo wir bis zum 

18.05.2000 ein Rettungszentrum führen sollten. 

Dieses Sanitätskontingent bestand 

hauptsächlich aus Marinesoldaten. 

[HIER ]geht es zum Einsatzbericht, den ich nach dem Einsatz verfaßt hatte.

Auch waren wir das erste Kontingent, das sechs Monate 

im Einsatz bleiben sollte. Die Aufenthaltsdauer 

war kurz zuvor verlängert worden. Transportiert 

wurden wir in einer C-160 Transall, die nicht umsonst 

den Spitznamen "fliegender Viehtransporter" hat...

Die Transall hat zwei Klimazonen: Vorne Sauna-Aufguß- hinten Schneefall...

...deswegen entschied ich mich für den vorderen Teil des hinteren Drittels

Da hilft nur eins: Warm einpacken, Ohrstöpsel rein und Augen zu und durch.

Auf diesem Wege kam ich wenigstens zu etwas Schlaf

Wie war das mit dem Freigepäck?

Das Rettungszentrum in Tetovo im Sommer

und im Winter bei bis zu -30°C

Mitbewohner des Feldlagers waren die Lagerhunde. 

Wildlebende Tiere, die im Rudel die Ratten im Lager bekämpften. 

Einer, den wir besonders in unser Herz geschlossen hatten, war "Kaleu". 

Ein Welpe (siehe Pfotengröße), der selbst einen 

Rattengiftanschlag mazedonischer Soldaten überlebte.

"Kaleu" war kein Offizier- hatte aber "Mundgeruch" wie ein uns allen bekannter Kapitänleutnant

Die Unterkünfte waren für die dortigen Verhältnisse zwar 

beengt, aber für einen Bordfahrer nichts Außergewöhnliches.

14qm für drei Personen... Da wird's kuschelig...

 

Der Flur zwischen den Containern. Fegen brauchte man dort nicht. 

Der Dreck fiel einfach durch die Gitter

Der Containerblock von außen

Mein "Kammer-Kamel" OFw Thomas Schneider. 

Wir kannten uns bereits aus meiner Zeit im BWK Ulm

Mit Thomas bewohnte ich den "Tom und Jerry Container"

Mein Job war ursprünglich die Leitung der Zentralsterilisation 

in der OP-Gruppe des Rettungszentrums. 

Mein Vorgänger im Steri: OFw Olli Grund aus Schwanewede

Es dauerte aber nicht lang, da fand ich mich, 

aufgrund meiner jahrelangen Rettungsdienst-Tätigkeiten im 

so genannten BAT / RTH-Team wieder. 

Der BAT war ein Unimog mit einer Notarztwagenausstattung 

und der RTH war ein Rettungshubschrauber 

vom Typ Bell UH-1D. 

Unsere Anneliese

Wieder daheim nach einem Einsatz

Hochgeklappt hinter den Pilotensitzen erkennt man die Liegefläche für den Patienten

mein Platz

Blick aus unserer "Anneliese"

Unsere "Kutscher"- die Heeresflieger

im Einsatz mit "Anneliese"... Fliegen mit offener Seitentür

Feldlager Tetovo von oben

     

links der BAT (Notarztwagen)  mit eigenem Notstromaggregat und Klimaanlage

rechts der KRKW GL (Krankenwagen) 

Wie im zivilen Rettungsdienst: Defi-Check vor Dienstbeginn

  

Mit dem BAT unterwegs

Einmal verfahren- schon hat man neugierige Kinder um sich herum

mein Lieblingsplatz bei Sanitätsdiensten

In der Waschanlage sind alle gleich... dreckig

Ein typisches "Auto" im Kosovo mit eingebauter Kreissäge

Oberstes Gebot im Kosovo: Verlaß NIEMALS befestigten Untergrund! 

ACHTUNG MINEN!

Nächstes Gebot: Stelle Dich NIEMALS im Winter neben einen Hubschrauber...

Es war ein Einsatz, der geprägt war von ungeahnten 

Temperaturschwankungen. Kaum waren wir eingetroffen, 

bekamen wir ein wirklich weißes Weihnachten. 

Es war keine Seltenheit, daß über Nacht 

40-60cm Schnee fielen. 

Die Temperaturen fielen nachts teilweise auf -30°C. 

Da gefror sogar das Bier an der Schneebar, die 

die schweizer KFOR-Truppen eröffnet hatten. 

Selbst die Nasenhaare waren gefroren und brachen ab.

Der Eingang des Rettungszentrums

Der OP-Container... Ein Traum in weiß... (selbst ohne Schnee...)

In den Containern wurde natürlich hart gearbeitet.

Hauptbootsmann Andreas Kleindienst als Instrumenteur

Hier eine kleine Auswahl der Siebe, die wir gereinigt, 

gepackt und sterilisiert haben. Jedes Instrument hat hier seinen 

speziellen Platz, damit der Instrumenteur alles sofort findet. 

Wie man so etwas macht, das zeigte mir Steri-Lothar 

(Leiter der Zentralsterilisation des Krankenhauses in Sanderbusch), 

wo ich ein Vorbereitungspraktikum machen durfte.

Ein Universalsieb

Ein Knochensieb

Während dieses Einsatzes gingen so manche 

denkwürdigen Ereignisse an uns vorbei. 

Wir erlebten im Einsatzland 

Nikolaus 99

Weihnachten 99

Jahrtausendwende 99/2000 

(wo ich auch noch BAT-Dienst hatte und nichts trinken durfte...)

Ostern 2000

Pfingsten 2000.

Ab März herrschten aber wieder sommerliche Temperaturen, 

die wir hinter meinem Steri-Zelt auf unserer 

Sonnenterasse genossen.

Die Sonnenterasse

Unser Pool... eigentlich ein Löschwasserbehälter

Ich hatte die Zeit im KFOR-Einsatz unter anderem 

dafür genutzt, Gesuche auf ein Bordkommando zu stellen. 

Ich wollte bloß weg aus Bremerhaven.

So ergab es sich, daß ich als SanMeister auf den 

Versorger GLÜCKSBURG kam.

A1414 GLÜCKSBURG in Danzig

Letztes Einlaufen in Wilhelmshaven nach AuxEx 2001

Die GLÜCKSBURG als "Expo-am-Meer-Schiff" 2000 in Wilhelmshaven

Die GLÜCKSBURG in Glücksburg

Während meiner Zeit auf der GLÜCKSBURG, 

schickte mich die SDM sowohl für einige Zeit als SanMeister 

auf die Fregatte Niedersachsen, als auch auf einen Lehrgang, 

der sich "Realistische Wunddarstellung" nannte.

Dort lernten wir allerhand Sachen, mit denen man Übungen 

an Bord sehr blutrünstig gestalten konnte.

Der Gute hatte mit Sprengstoff gespielt

Der war dummerweise im Bereich einer größeren Explosion

Der "Visagist" bei der Arbeit

Das ist KEIN Sonnenbrand

Kurz vor Vollendung der Materialabgabe für die 

Außerdienststellung der GLÜCKSBURG, bekam ich 

einen Anruf von der SDM: Was ich denn 

von Kiel hielte, und ob ich denn bereit sei,

nochmal ein Kommando mit Seefahrt anzunehmen... 

Natürlich sagte ich zu und erfuhr, daß ich am 22.10.2001 

als SanMeister an Bord der MÖLDERS versetzt würde. 

Aus diesem Kommando wurde aber nichts, da zwei Tage 

später der SanMeister der LÜTJENS einen Herzinfarkt erlitt. 

Somit hatte die LÜTJENS Priorität in der Besetzung 

und ich wurde mit sofortiger Wirkung von der 

GLÜCKSBURG auf die LÜTJENS versetzt.

   

"Lüdia" in voller Fahrt

Die erste Tour, die ich auf dem berühmten "103-er" machte, 

war meine 4.JMC (Joint Maritime Course Manöver) in schottischen 

und irischen Gewässern. Mit dabei waren unser 

Schwesterschiff MÖLDERS und der Betriebsstofftanker SPESSART. 

Bereits hier wurde mir klar, daß es etwas anderes ist, 

auf einem Zerstörer zu fahren, als auf meiner alten GLÜCKSBURG. 

Diese hatte doch mit ihrem vollen Bauch deutlich ruhiger im Wasser 

gelegen als diese Kampfmaschine, 

und das Medical Team bekam allerhand zu tun.

Die MÖLDERS im Sturm... Es hackte gewaltig

Diese "Schaukelei" haute den stärksten Schiffs-Druiden in der PUO-Messe um...

Verletzter zur Übung

die beiden Schwestern in Glasgow

das letzte gemeinsame "Päckchen"

Wieder daheim angekommen, bereiteten wir uns 

auf unsere nächste kleine ISEx-Tour (Individual Ship Exercise) vor, 

die uns Anfang des Jahres 2002 nach Kopenhagen führen sollte. 

Sie war die letzte Bewährungsprobe für die Besatzung, 

bevor es am 13.März in die STANAVFORLANT ging. 

Ursprünglich war eine Reiseroute nach St. Petersburg und 

dann an die Ostküste der USA geplant,

 jedoch die Ereignisse vom 11.September 2001 schrieben 

uns einen anderen Auftrag vor. 

Es ging ins östliche Mittelmeer zur 

OPERATION ACTIVE ENDEAVOUR.

die Force von links nach rechts:

HMS NORFOLK, HNoMS NARVIK, FGS LÜTJENS, SPS CANARIAS, ITS ARTIGLIERE, USS DE VERT

Die Übernahme der Aufgaben in der STANAVFORLANT 

von der Fregatte KARLSRUHE erfolgten im 

norwegischen Hafen Bergen. Von dort aus ging es weiter 

nach Lissabon, wo auch der Change of Command stattfand. 

Anschließend wurde die Force in zwei Gruppen aufgeteilt, 

um die Seegebiete maximal abdecken zu können.

Die PUO-Messe 2002

Unsere Aufgabe im östlichen Mittelmeer war, 

sämtliche zivilen Schiffe in diesem Seegebiet nach 

Name, Herkunft, internationalem Call-Sign, Zielhafen usw. 

abzufragen. In dieser Disziplin, dem Hailing, war die 

Lüdia absoluter Spitzenreiter in der Force. 

Bei diesem Einsatz hatten wir mit so manchen 

interessanten Schiffen und Seelenverkäufern zu tun

Ein contact of interest (coi) MV Omar Faruk 

Ein contact of interest (coi) MV Basri

Die Shanghai Express mit über 5600 Containern an Bord

MS Silver Whisper, bei deren Anblick uns glatt eine Turbine in die Grütze ging...

Die Khrusenstern

Unvergessen auf dieser Tour bleibt natürlich 

mein 30. Geburtstag.

Angefangen hatte der Tag - wie eigentlich jeder Tag- 

nachts um 00:00 Uhr. Diesmal aber in der PUO Messe 

mit Harry Harder und Bernd "Ecki" Eckert, 

die mir auch quasi planmäßig gratulierten. Ich hatte ja 

immer gehofft, ich käme um das traditionelle Fegen 

und die öffentlichen Demütigungen an meinem 

30.Geburtstag herum... Weit gefehlt.

Bereits bei der Morgenandacht über SLA 

wurde ich vom IO nicht als Geburtstagskind erwähnt. 

Auch die übliche Hurra, hurra- Zeremonie bei den 

Musterungen blieb aus. Alles war, wie gewohnt. 

Nur mit dem Unterschied, daß kein Mensch 

mit mir reden wollte. Egal, wo ich hinging, jeder 

verschwand in eine andere Richtung. 

"Prima", dachte ich. "Vielleicht haben die meinen 

Geburtstag ja wirklich vergessen..." Hatten sie nicht. 

Denn plötzlich kam nachmittags die SLA-Durchsage: 

"Der SanMeister in den SanBereich!" 

Ich hatte eigentlich einen Notfall erwartet, 

nicht aber ein Medical Team, das durch das

Video-Team verstärkt mir einen grandiosen 

Geburtstags Beginn bescherten. Mein Schiffsarzt 

Holger Helbing drückte mir einen Briefumschlag in 

die Hand, in dem sich ein Foto-Schnipsel befand. 

Auf der Rückseite dieses Schnipsels war eine

Raum-Kennzahl. In dem dazu gehörigen Raum 

fand ich einen neuen Briefumschlag, der mich 

in einen neuen Raum lotste. Ich war in Räumen, 

von denen ich nicht mal gedacht hatte, 

daß es sie an Bord der LÜTJENS überhaupt gibt... 

Es gab sie doch, und dieser Test deckte einige 

Wissenslücken in Sachen Raumkenntnis bei mir auf...

Als ich schweißgebadet mein Foto 

zusammengesetzt hatte, wurde ich über SLA 

auf das ASROC-Deck zitiert. Dort stand der Chor 

der PUO-Messe mit etlichen "Gaffern", die sich 

an meinem "Leid" ergötzen wollten, und brachte 

mir ein Geburtstagsständchen dar. 

Ich war schon fast versöhnt, aber leider gab 

es da noch den Shredder-Müll, der reichlich 

entlang der Elo-Galerie und auf dem ASROC-Deck 

verteilt worden war. Auch der Pinsel und die Plastiktüte, die mir als 

Hilfsmittel in die Hand gedrückt wurden, waren keine 

wirkliche Hilfe...

Nach langem zähen Kampf gegen Shredder-Müll,

Windböen und fiese Kameraden, die immer 

wieder den Müll verteilten, wurde ich von 

Schmiddi, einem Funk Gast, der als Jungfrau

 verkleidet war,  freigeküßt.

Mann war DAS eine Erlösung!

Am Abend gab's dann noch ein Grill-Ex.

Diesen Tag werde ich wirklich NIE vergessen!

Danke nochmal an alle Beteiligten!

Meine Jungfrau

Geschafft

Kann man sich mehr Liebreiz vorstellen?

Hier kommt nur ein kleiner Auszug der Schiffe, 

die mit uns im Kampf gegen den Terrorismus 

im Seegebiet waren.

A 5327 ITS Stromboli

DDG 68 USS The Sullivans

T-AO 201 USNS Patuxent

D 643 Jean de Vienne

F 86 SPS Canarias

F 461 Navarinon

F 256 Ege

F 84 SPS Reina Sofia

F 304 HNoMS Narvik

F 230 HMS Norfolk

D 219 Niarchos

F 710 La Fayette

S 304 Uthaug

HNoMS Narvik

Multi-ship-RAS 

Von links nach rechts: LÜTJENS / NORFOLK / AMSTERDAM / CANARIAS

Der weiße Rauch, der aus unserem Schornstein aufstieg, deutete 

nicht auf eine Papstwahl hin, sondern auf einen Turbinenschaden

A 516 Tender Elbe auf dem Rückweg vom Horn von Afrika

Der  russische Aufklärer AG SSV 201 Priazovje interessierte 

sich auch für unsere Aktivitäten im Seegebiet

Die A 50 Alster... Ein "Titten-Boot" aus Kiel

L 12 HMS Ocean

Die dänische Korvette "Olfi" (F355 Olfert Fischer) in schwerer See

Unsere "Tankstelle". Die A 836 Amsterdam

A 1413 Feiburg auf dem Heimweg

Die Freiburg auf dem Weg zurück vom Horn von Afrika

Ebenfalls mit der Freiburg unterwegs: Die A 1442 Spessart. 

An sie übergaben wir unseren gesamten Müll, der sich angesammelt hatte.

LHA 4 USS Nassau

T-AO 198 USNS Big Horn

Tuckerte mit Maschinenschaden nach Wilhelmshaven: 

Die Fregatte F 209 Rheinland-Pfalz

Nachdem wir die RHEINLAND-PFALZ im englischen Kanal 

hatten stehen lassen , ging's mit Vier-Kessel-Betrieb 

nach über acht Monaten STANAVFORLANT heim nach Kiel.

Der Maschinentelegraph... Alle Fahrt voraus!

Wahnsinnige Geschwindigkeit: 33,3 Knoten

Heimatumdrehungen

Ungefähr so wie diesem englischen Pott erging es der Rheinland-Pfalz bei unserem Überholvorgang

Die Pier war brechend voll

Wer so begrüßt wird, der kann sich einfach nur freuen. 

Da sind acht Monate glatt vergessen.

Die anschließenden Wochen gönnte man uns zur Erholung. 


Bis ich am 23.11.2002 auf eine Hochzeit eingeladen wurde, 

die mein zukünftiges Leben verändern würde:

Ich traf dort meine spätere Frau

Unser Decksmeister Ralf Brieger heiratete seine Hanna, 

die ihre gesamten Kolleginnen der Kindertagesstätte, 

in der sie arbeitete,  zur Feier einlud. Eine davon 

fing auch prompt den Brautstrauß. Das war Jana.

Ich hätte damals nie geglaubt, daß an diesem Brautstrauß-Fang-Märchen was dran ist...

Ich wurde eines Besseren belehrt...

Das Brautpaar durchschreitet das Spalier

Der Hochzeitstampen

Da erhält der Begriff "blinde Kuh" eine völlig neue Bedeutung

Es war extrem feucht-fröhlich

Kaum waren Jana und ich zusammen, ging's auch schon wieder auf See.

Diesmal war Oslo unser Ziel der ISEx-Tour .

danach machten wir das Schiff klar für 

seine letzte große Reise. 

DesEx 2003

Beteiligt waren folgende Schiffe:

D 185 LÜTJENS, F207 BREMEN, F710 LAFAYETTE, A1411 BERLIN 

(hier bei einem Treffen mit der A1412 FRANKFURT AM MAIN)

Der gesamte erste Teil der Tour war überschattet 

vom inakzeptablen Verhalten des kurzzeitigen 

Schiffsarztes Stabsarzt Dr. H.

Aufgrund dessen konnte ich mich anfangs 

auch gar nicht so richtig über meine letzte Seefahrt freuen. 

Dies änderte sich allerdings, als er wegen groben 

Fehlverhaltens an Bord in Istanbul neben das 

Schiff gestellt,  und durch Reservisten ersetzt wurde. 

Ärzte wie Jan Brem oder Holger Buggenhagen 

stellten dann sofort das Vertrauen der 

Besatzung in das Medical Team wieder her. 

OSA d.R. Dr. Jan Brem und ich beim RAS mit der Berlin

FltlArzt d.R. (eigentlich Oberfeldarzt d.R.) Dr. Holger Buggenhagen

Highlights dieser Tour waren: 

Das Treffen mit dem französischen 

Flugzeugträger CHARLES DE GAULLE

Die Charles de Gaulle. Der modernste französische Atomflugzeugträger

Die Bosporus-Passage , 

die Einfahrt ins Schwarze Meer und der 

anschließende Aufenthalt in Istanbul

Die Brücke über den Bosporus

Wie auf einem Servierteller. Unser Ankerplatz im Bosporus

Da war ein Höllen Verkehr um uns herum

Die Moschee Hagia Sophia

Der große Basar

Die Blaue Moschee

Der Gebetsplatz der Männer in der Blauen Moschee

Der Gebetsplatz der Frauen in der Blauen Moschee (das ist kein Witz!)

 

Der Besuch zwischendurch von Jana in Venedig

und Malta, wo ich die Prüfung für meinen 

Kraftbootführerschein See bestand

Nach bestandener praktischer Prüfung für den Kraftbootführerschein See im Hafen von Valetta / Malta

Die Polartaufe

Mein Polartaufschein

Der Polarkreis

Neptun und Thetis (die fette Seekuh...)

Be prepared... Mein Schutz gegen Wasser und Wind

Das noch ungetaufte Pack

Der Gang zum Schafott... Es war saukalt!

Bernie als Admiral Triton

Die innere Reinigung beginnt...

Sehr leggäää...! Die Käsemaske und andere undefinierbare Sachen

SanMeister im Eimer... Vegetarisch war noch nie mein Fall!

Es zog doch gewaltig in der Gitterbox

Man darf trotz allem nie den Humor verlieren!

Bitte recht freundlich!

Harrys Fotolabor im Einsatz bei meinem Schiffs-Druiden

Einmal kräftig gurgeln

BLUBB!

Wer die Flossen von Thetis nicht küssen will, 

der bekommt eine Abreibung mit der Käsemaske

Aber Neptun die Gefolgschaft schwören? NIEMALS!

Ab geht's zur zweiten Runde durch den Parcours

Beim Aktuar: Ja, ich kann die Linie sehen!

Hauptbootsmann Kuschny, ich melde mich gereinigt, geläutert und von 

allen Unreinheiten der südlichen Hemisphäre gereinigt.

Die schönste Insel, die ich in meiner Marinezeit 

angelaufen habe, war Island. 

Ein Land geprägt von sämtlichen Elementen. 

Vulkane, Wasserfälle, Gletscher, Geysire, Wüsten 

und eine sagenhafte Tierwelt. 

Alles findet man auf dieser traumhaften Insel

Angeln vor Island oder den Färöer Inseln lohnte sich immer

Mitternacht vor Reykjavik

Die blaue Lagune. Hierhin führte uns, unter anderem, ein Ausflug, 

den die gesamte PUO-Messe unternahm

Die Umrundung des Nordkaps

Das Nordkap. Hier hört Europa auf. Nördlicher geht's nicht mehr

Meine dritte Durchfahrung des Geieranger Fjordes

"Die sieben Schwestern". Wohl der bekannteste Wasserfall im Geieranger Fjord

Der Geieranger Fjord

Eine traumhafte Durchfahrt bei traumhaftem Wetter in traumhafter Kulisse

 

Die fantastische Kulisse bei der Schiffsparade in Rouen 

mit 15 Millionen Menschen am Seine-Ufer war für die Besatzung 

das letzte große Highlight der letzten großen Reise der LÜTJENS

Wo man hinschaute- MENSCHENMASSEN!

Ein wahrer Wink-Marathon für die Besatzung

Anfangs standen wir noch an steuerbord Seite auf Passieraufstellung. 

Dann befahl der IO, uns auf beide Seiten zu verteilen, 

um den Menschenmengen adäquat zuwinken zu können.

Irgendwann war es egal, wer wo stand. 

Hauptsache, es wurde gewunken...

15 Millionen Zuschauer dankten es uns und 

behielten so die Lüdia in bleibender Erinnerung

 

Mein persönliches letztes Highlight:

Mein letzter Abend in See auf der "Lüdia"

der letzte Sonnenuntergang in See in der Sander Bucht

Lüdias und meine letzte Rückkehr von großer Fahrt

Nach meinem Urlaub betrat ich die alte Lady 

noch ein letztes Mal, um mit ihr aus Kiel auszulaufen.

Für die Familienfahrt am 23.08.2003

In der steuerbord Nock

Die Ablösung für die "Lüdia" lag schon bereit: Die Fregatte F 219 Sachsen

Die A1418 Meersburg sollte später im Marinearsenal Wilhelmshaven hinter der Lüdia liegen

Alte Weggefährten sagen BYE BYE

Wir hatten immer eine Menge Spaß auf See. 

Der AWM Florian Wagner und ich

Lüdias und mein letztes gemeinsames Passieren von Kiel Lighthouse

Jana bekam Seebeine

Mit schrägem Gesang und Schifferklavier hatten sie uns immer 

in der Heimat willkommen geheißen. Auch diesmal wieder.

Delta, Romeo, Alpha, Echo... 

Unser internationales Callsign

Mein letztes Auftreten in Uniform hatte ich am 

20.05.2005 zu unserer standesamtlichen- und am 

21.05.2005 zu unserer kirchlichen Trauung.

Vor dem Rathaus in Wilhelmshaven

Kirchlich getraut wurden wir durch einen alten Kameraden, 

mit dem ich schon etliche Seefahrten unternommen hatte: 

Der ehemalige Militärpfarrer der Zerstörerflottille Klaus Lemke-Pätznik

Nach der Trauung in der Christus und Garnison Kirche in Wilhelmshaven

Nach einer erneuten Trauung an Bord der "Etta Von Dangast" 

vor dem Angaster Leuchtturm in der Jade

Es war eine wunderschöne Zeit 

bei der Marine, und ich war in den 12 Jahren 

ein überzeugter Marine Soldat. 

Aber die Zeiten haben sich geändert und 

somit auch das Gesicht der Marine. 

Und so bin ich froh, 

einen neuen Abschnitt in meinem Leben 

eingeläutet zu haben.

Mit meiner Familie - d.h. mit meiner 

Frau Jana und mit meiner Tochter Neele

 

Von nun an heißt es:

Zerstörer Lütjens  D 185... Gone, but not forgotten...

...denn Tradition pflegen bedeutet nicht, Asche aufzubewahren,
sondern Glut am Glühen zu halten